CHRONICLES


Chroniken eines Elefantenpflegers Teil 1


Die ersten Tage der Tour durch Europa liegen hinter uns. Lissabon, Madrid, Barcelona und Bilbao haben die Tour-Maschine wieder in Gang gebracht, und insgesamt mehr als 70.000 Fans bisher boten wahrlich beeindruckende Kulissen.
- An dieser Stelle ein Gruß an alle, die mit uns rockten als gäbe es kein Morgen!

Darüber hinaus war die Woche geprägt von zwei großartigen Aftershow-Parties in Lissabon und Barcelona. Im Anschluss an letztere kaperten wir einen der Tourbusse, um ins örtliche “Demonix” zu gelangen. Alles in allem ein würdiger Ausklang unseres zweitägigen Barcelona-Aufenthalts.

Die Tour führte uns weiter nach Bilbao, an den Golf von Biskaya. Hier stand für Samstag Nachmittag eine Autogrammstunde in einem Musikstore auf dem Plan.

Nachdem zwischenzeitlich die Hälfte der Mannschaft zu Viren-Mutterschiffen mutiert war, konnten die Tour-Apotheke und zwei Kisten warmes Schwarzbier das Schlimmste verhindern. Mit leichter Schlagseite verließ unser 1km langer und 111 Mann starker Fahrzeugkonvoi am Sonntag schließlich die iberische Halbinsel, um am darauf folgenden Tag im französischen Nantes das Wiegenfest des Doktors zu zelebrieren.
Heute Abend nun also der Schweizer-Tourauftakt in Basel…Gespannt was der Abend bringen wird…

Begleitet werden diese ersten Tour-Tage von der Debatte um die Indizierung des Albums in Deutschland – und dann wird es vielleicht eine Antwort auf die Frage geben, wie/wann und in welcher Form man jemand mit einem Sack über dem Kopf den Arsch versohlen bzw. darüber singen darf.
Dann gilt es Kritiker, Zensur und sonstige Fettnäpfchen zu umschiffen oder es eben bleiben zu lassen….(st)



Chroniken eines Elefantenpflegers Teil 2


… und dann kam Luxemburg, und irgendwie schien der Virus, der in den letzten Wochen erste Lücken in unsere Reihen gerissen hatte, nun endgültig zuzuschlagen. Doch was geschah davor?!? …


… Während unseres zweitägigen Aufenthalts in Wien gönnten wir uns einen Kulturnachmittag und besuchten die “Videorama”, eine Ausstellung, die zeigt, was Österreich an Videokunst so zu bieten hat. Dieser Ausflug mündete schließlich im cineastischen Highlight “Unternehmen Arschmaschine”: Science Fiction, narrative Theatralik … “ein zwischen Aufführungs- und Vorstellungsraum oszillierendes Film-Abenteuer.” Das volle Programm also.


Es ging weiter nach München, der ersten deutschen Station der Rammstein-Europa-Tour. Während der Rest der Band bereits in München weilte, wurde Richards Flugzeug kurz vor der Landung in München unerwartet nach Wien zurückgeschickt. Die Konsequenz: “Zwei weitere Stunden Wiener Ambiente”, wobei hier lediglich der Flughafen gemeint sein sollte. Schließlich gab es grünes Licht, und es konnte losgehen.

München also, der Tourauftakt für alle Deutschland-Shows, bei welchem die Band mit einer textlich improvisierten Version des “ungeliebten” Songs “Ich tu dir weh” aufwartete. Anscheinend wurde beschlossen, dass jede deutsche Tourstadt ihre eigene lokale Version bekommt, denn auch in Leipzig und Köln wurden jeweils unterschiedliche Versionen aufgeführt.


Ach ja, Leipzig – eine tolle Stadt, die uns in Erinnerung bleiben wird: Denn hier haben Fahrkartenkontrolleure ein großes Herz! Der Tourpass, der zwar freien Zutritt zu den Verkehrsmitteln der Tourkarawane erlaubt, ist im Leipziger Nahverkehr nicht zwingend im hilfreich. Soviel zu den harten Fakten. Milde gestimmte Kontrolleure hatten jedoch ein Nachsehen mit uns.
Am Abend gab es ein großes Wiedersehen mit dem Pilgrim-Team und vielen alten Bekannten der Band.


Fast einen Katzensprung entfernt lag die nächste Tourstadt: Prag. Nach einer nächtlichen, jedoch schlaflosen Autofahrt nach Prag kam einigen von uns die Idee, das Konzert mal wieder aus der ersten Reihe mitzuerleben. Das bedeutet aber vor allem: stehen und warten. An dieser Stelle Respekt und ein starke Immunabwehr all den Fans, die schon ab 10 Uhr morgens vor den Hallen zelten … und warten. Dann ging es endlich los! Und die Entscheidung, die Show ganz vorn zu erleben, war genau das Richtige für diesen Abend. Eine grandiose Show.


Zwei Tage später erreichten wir Katowice. Das Konzert fand im Spodek statt – einem Venue, das eher einem Ufo oder Kessel als einer Konzerthalle gleicht. Tausendfach wurde das LIFAD-Herz auf weißen Blättern ausgedruckt und während des Songs “Frühling in Paris” hochgehalten. Daraufhin versank die Halle in einen kollektiven Freudentaumel – aus dem wir erst gerissen wurden, als eine Leuchtrakete ihr Ziel zwischen den Beinen unseres Lichttechnikers gefunden zu haben schien… – Der gute Mann blieb glücklicherweise unverletzt.


Die beiden Konzerte in Köln zeigten sich von einer durch und durch “menschlichen” Seite, und so ging der auf das Publikum gerichteten, länglich geformten Schaumkanone nach wenigen Metern der “Saft” aus. Und auch hier gab es einige interessante Korrekturen an der Textstruktur eines gewissen Songs…


Wir fuhren weiter nach Frankreich, nach Lyon. Ein atemberaubender Blick von der Basilika Notre-Dame de Fourviere verschlug uns für einen Moment die Sprache.
Ein paar verschimmelte Brote auf einem unserer Hotelzimmer hatten einen ähnlichen Effekt – nur mit einer anderen Konsequenz… Unser Accountant hatte da mehr Glück und fand einen schwarzen Damenslip (getragen), Größe 38.

Die Konzerthalle Tony Garnier in Lyon war ein mächtiger Stahlbau, der in den Grundzügen einem alten Schlachthof ähnelte. Kein Wunder, diese Halle wurde von keinem geringerem als Gustave Eiffel erbaut. Mehr als 16.000 Fans warteten sehr ungeduldig auf den Konzertbeginn. Und so wurden leere Cola-Dosen zu Wurfgeschossen umfunktioniert und durch die Gegend geworfen. Sie landeten teilweise auf den Lichtkonsolen, und aufgrund eines Volltreffers mussten wir schließlich einen Teil der Beleuchtung einbüßen.


Noch einmal Frankreich: Straßburg, eine wirklich beeindruckende Stadt, die auch unter anderen Umständen sehr zum Verweilen einlädt. Nachdem wir 6 Stunden im Hotel auf einen Mietwagen gewartet hatten, wurde die Hotellobby kurzerhand zur Kommandozentrale umfunktioniert. Als wir allerdings begannen, unsere immer knapper werdenden Nahrungsmittelvorräte aufzuteilen und uns häuslich einzurichten, war bei den Angestellten des Hotels nervöses Augenzucken zu beobachten…
Ein Zeichen, das eindeutig signalisierte: Es war Zeit die Stadt zu verlassen. (st)


  • Share/Bookmark